Neuerscheinungen

Selbst gewählte Mitgliedschaft in neuen religiösen Bewegungen - eine Frage der Passung?

Empirische Befunde und kritische Überlegungen

Sussan Namini

Erschienen 2009 bei Tectum, Marburg: http://www.tectum-verlag.de/

ISBN 978-3-8288-2105-7

Mitglied einer sogenannten Sekte oder neuen religiösen Bewegung (NRB) wird nur, wer sich von ihren destruktiven Heilsversprechen blenden und manipulieren lässt. Diese Überzeugung gilt in der öffentlichen Debatte als gesetztes Faktum. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „So genannte Sekten und Psychogruppen“ (1996-1998) zeigte dagegen, dass derart einseitige Erklärungen die Anziehungskraft der Gemeinschaften nicht adäquat abbilden. Vielmehr scheint eine wechselseitige Passung zwischen Person und Gruppe sowohl für den Eintritt in eine neue religiöse Bewegung als auch für die damit verbundenen psychosozialen Konsequenzen und den weiteren Mitgliedschaftsverlauf entscheidend.
Sussan Namini untersucht anhand einer Literaturübersicht und einer Längsschnittstudie an Mitgliedern und Interessenten der Neuapostolischen Kirche, einer Pfingstgemeinde und der Zeugen Jehovas, ob sich das Modell der Person-NRB-Passung empirisch bewährt. Auf individueller Ebene sind Entsprechungen zwischen Person und Gruppe gut nachzuvollziehen. Eine personenübergreifende Betrachtung zeigt, dass eine allgemeine Passung zwischen Personmerkmalen und spezifischen Gruppen eine Bedeutung für Beitrittsprozesse und Verbleib in bzw. Ausstieg aus Gemeinschaften haben kann. Jedoch kann das Konzept alleine Mitgliedschaftsprozesse weder erklären noch vorhersagen. Um die psychosozialen Konsequenzen einer Passung zu ergründen, versprechen psychologische Theorien wie die der Person-Umwelt-Passung weiterführende Ergebnisse.

 


Sinnfindung als Bewältigungsmöglichkeit einer Darmkrebserkrankung

Sabine Groß

Erschienen 2009 als Online-Veröffentlichung: http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2009/2003/

Ziel der vorliegenden Untersuchung war, Sinnfindung als Einflussgröße auf die Anpassung an eine Darmkrebserkrankung längsschnittlich zu untersuchen. 341 Darmkrebspatientinnen und –patienten nahmen an der Untersuchung teil. Sie beantworteten zu zwei Messzeitpunkten, der erste lag zu Beginn einer stationären Rehabilitation, der zweite war sechs Monate später, einen Fragebogen, der Fragen zur Sinnfindung, Religiosität, zu klassischen Coping-Inhalten und zur Anpassung an die Erkrankung beinhaltete. Zu beiden Messzeitpunkten fand ein Vergleich mit einer gesunden Kontrollgruppe (n = 320) vergleichbaren Alters statt. Die Rücklaufquote vom ersten zum zweiten Messzeitpunkt lag bei 86,3 % in der Untersuchungsgruppe und bei 93,1 % in der Kontrollgruppe. Obwohl ein Vergleich der Gesunden mit den Darmkrebspatientinnen und -patienten ergab, dass Gesunde sowohl zum ersten, als auch zum zweiten Messzeitpunkt niedrigere Werte für Angst und Depressivität und höhere Werte bei Lebensqualität und Gesundheitszustand hatten, verbesserten sich dennoch innerhalb der Untersuchungsgruppe Lebensqualität und Gesundheitszustand innerhalb von sechs Monaten signifikant. Angst, Depressivität, krankheitsspezifisches Wohlbefinden und posttraumatische persönliche Reifung veränderten sich hingegen nicht. Der stärkste Prädiktor für die Varianzaufklärung aller Anpassungsmaße war Sinnfindung, obwohl die Werte für Sinnfindung in der Kontrollgruppe statistisch sogar höher waren als in der Untersuchungsgruppe. In diesem Zusammenhang wurde das Konstrukt der Religiosität insofern wichtig, als dass Personen mit hohen Werten der Zentralität der Religiosität höhere Werte bei der Sinnfindung aufwiesen als Personen, bei denen die Religiosität im Alltag keine Rolle spielte. Religiosität kann demnach als Element zur Sinnfindung betrachtet werden. Bei dem Konstrukt Sinnfindung handelte es sich also um einen differenzierten und inhaltlich individuell ausgestalteten Prädiktor, der inkrementelle Varianzaufklärung im Sinne von gelungener Anpassung leistete. Im Bereich der Therapie könnte die Kenntnis um die relative Bedeutsamkeit beider Konstrukte, sowohl dem der Sinnfindung, als auch dem der Religiosität als mögliches sinnstiftendes Element, Eingang in Therapiekonzepte und praktische Implikationen finden.

 


Neue religiöse Bewegungen

aus religionspsychologischer Perspektive

Sebastian Murken

Erschienen 2009 bei diagonal-verlag, Marburg: http://www.diagonal-verlag.de/11n-buch.html

ISBN 978-3-939346-11-1

Mit der vorliegenden Arbeit wurde ein Versuch unternommen, die religionswissenschaftliche Erforschung der Mitgliedschaft in neuen religiösen Bewegungen auf eine theoretisch fundierte und empirisch begründete Basis zu stellen. Dies geschah aus einer religionspsychologischen Perspektive, was zweierlei bedeutet: zum einen die inhaltliche Anknüpfung an psychologische Erkenntnisse und Theorien, zum anderen die systematische Anwendung psychologischer Methoden, d. h. Forschungsinstrumente und Auswertungsverfahren. Mit der religionspsychologischen Erforschung neuer religiöser Bewegungen in Deutschland wurde damit insofern Neuland betreten, als es weder vergleichbare Vorarbeiten noch theoretische Konzepte gibt, auf die aufgebaut werden konnte. Neben den vorgestellten Ergebnissen zum Phänomenbereich der neuen religiösen Bewegungen ist die vorlegte Arbeit damit auch ein Beitrag zur Standortbestimmung und Weiterentwicklung der Religionswissenschaft als Disziplin, indem ein theoretischer Baustein für eine konzeptionelle und methodische Erweiterung der Religionswissenschaft vorgelegt wird.

Inhaltsverzeichnis, Vorwort und Nachwort: http://www.diagonal-verlag.de/pdf/11n-leseprobe.pdf

Deutschlandradio-Rezension von Kirsten Dietrich: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/935533/

 

 


Ohne Gott leben

Religionspsychologische Aspekte des 'Unglaubens'

Sebastian Murken (Hrsg.)

Erschienen 2008 bei diagonal-verlag, Marburg: http://www.diagonal-verlag.de/07n-buch.html

ISBN 978-3-939346-07-4

"Ohne Gott leben. Wie geht das?" Diese Frage stellte das Erzbistum Köln auf seiner Internetseite www.ohne-gott.de. Die Antworten von tausenden Internet-Nutzern spiegeln ein breites Spektrum des Zweifels, der Enttäuschung, der Kritik, aber auch der Suche nach Spiritualität jenseits der etablierten Kirchen. In einem einjährigen Projekt mit Studierenden der Religionswissenschaft der Universität Leipzig hat der Religionswissenschaftler und Psychologe Dr. Sebastian Murken die Antworten der Menschen aus dem Internet ausgewertet und einer religionspsychologischen Deutung unterzogen. Entstanden ist ein eindrückliches Panorama des Unglaubens, des Nicht-Glaubens und der alternativen Religiosität.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung:
http://www.diagonal-verlag.de/pdf/07n-leseprobe.pdf

Bericht von Britta Baas:
http://www.chrismon-rheinland.de/cpr/docs/9_murken_religioese_gegenwart.pdf

 


„…vielleicht mal ein Gebet mehr gesprochen…“

Religiosität im Verarbeitungsprozess von Angst und Todesangst bei Brustkrebspatientinnen

Claudia Müller

Erschienen 2008 bei Tectum, Marburg: http://www.tectum-verlag.de/

ISBN 978-3-8288-9520-1

„…vielleicht mal ein Gebet mehr gesprochen…“

Einer Krebsdiagnose folgt oft Angst. Auch im Verlauf der Erkrankung können Ängste verschiedener Art und Ausprägung entstehen. Krebspatienten müssen sich neben der Erkrankung auch mit solchen Emotionen auseinandersetzen. Jeder greift dazu auf unterschiedliche persönliche Ressourcen zurück. Ist religiöser Glaube eine solche Verarbeitungsressource? Nutzen Krebspatienten religiöse Strategien, wenn sie versuchen, Angst und Todesangst zu bewältigen? Ist Religiosität hilfreich oder vielleicht sogar hinderlich zur Verarbeitung einer Krebserkrankung? Claudia Müller gibt zunächst einen Überblick über den psychoonkologischen und religionspsychologischen Forschungsstand. Aufbauend stellt sie eine empirische Untersuchung mit 167 Brustkrebspatientinnen und 67 gesunden Frauen vor. Anhand der Ergebnisse diskutiert sie Ideen für Forschung und Praxis.